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Königsberger Schloss
Das Bernsteinzimmer - eine historische Zeittafel


Um 1700: Der Berliner Hofarchitekt Andreas Schlüter hatte als erster die Idee, eines der Palastgemächer mit Bernstein auszuschmücken.


König Friedrich I. gab ein Arbeitszimmer für sein Schloss Charlottenburg in Auftrag. Bernsteinschnitzer aus Kopenhagen und Danzig arbeiteten daran.


1713: Nach dem Tod des Königs wurden die Arbeiten gestoppt; Friedrichs Nachfolger, der Soldatenkönig Friedrich Wilhelm I., war kein Schöngeist und interessierte sich nicht für das unvollendete Kunstwerk. So kam die Bernsteinarchitektur ins Berliner Zeughaus und geriet dort in Vergessenheit.


1716: Der russische Zar Peter I. hatte von dem Bernsteinzimmer gehört und wollte die einzigartige Innenarchitektur als Ausstellungsobjekt für seine Kunstkammer in St. Petersburg.


Nach einem Treffen mit Friedrich Wilhelm I., der mit Russland ein Bündnis gegen Schweden schließen wollte, erhielt der Zar das Zimmer als diplomatisches Geschenk. Im Gegenzug erhielt der Preußenkönig 55 Grenadiere von stattlicher Größe für die Soldatentruppe "Lange Kerls".


1717: Anfang des Jahres wurde das "Bernstein-Getäffel" in Berlin ausgebaut und in 18 Kisten verpackt zunächst nach Memel, dann nach Riga und St. Petersburg transportiert; dort konnte das Kunstwerk allerdings nicht richtig rekonstruiert werden und so wurden die Bernsteinwände lediglich an die Wände eines Raumes gelehnt.


1741: Erst mit der Thronbesteigung von Elisabeth I., der Tochter von Peter dem Großen, kam das Bernsteinzimmer wieder zu Ehren. Die Zarin ließ den Bernstein von ihrem Lieblingsbaumeister Francesco Rastrelli als Wandvertäfelung im Winterpalais einbauen, aufwendige Spiegelelemente wurden der Bernsteindekoration hinzugefügt.


1745: Friedrich der Große schickte extra aus Berlin weitere Ergänzungen aus baltischem Bernstein. Nach der endgültigen Fertigstellung diente das Bernsteinzimmer der Zarin als offizieller Empfangssaal im Winterpalais.


1755: Im Juli veranlasste Elisabeth I. ihren Baumeister Rastrelli, das Bernsteinzimmer in das neue Sommerschloss Zarskoje Selo einzubauen.


In dem 100 Quadratmeter großen Saal musste das Gesamtkunstwerk ergänzt werden: Mit 24 Wandspiegeln aus Venedig, Edelsteineinlage, vergoldeten Leuchtern und Florentiner Mosaiken wurde es komplettiert. Die fehlende Höhe wurde ausgeglichen mit Bernsteinsockeln unter den Spiegelwänden und mit Stuckarbeiten unter der Decke, die wie Bernstein bemalt wurden.


1763: Katharina die Große verlieh dem Bernsteinzimmer sein endgültiges Aussehen: Sie ließ unter anderem die Bernsteingemälde durch echte Bernsteinschnitzerei ersetzen - über einen Zeitraum von fünf Jahren wurden 450 Kilo des Ostseegoldes verbaut; zusätzlich zu den kostbaren Wandschnitzereien zierten zahlreiche Kunststücke deutscher, polnischer und russischer Bernsteinschnitzer die Vitrinen.


1770: Das Bernsteinzimmer war der besondere Schmuck im Sommerpalast von Zarskoje Selo, der später in Katharinenpalast umbenannt wurde, nach Katharina I., der Ehefrau Peters des Großen.


Zu Zeiten Katharinas der Großen war das Bernsteinzimmer ihr Lieblingsraum im gesamten Palast und der Katharinenpalast zugleich auch ihre Lieblingsresidenz.


Fast zwei Jahrhunderte lang wurde das Bernsteinzimmer als "Achtes Weltwunder" von ganz Europa bestaunt.


19. Jahrhundert: Durch hohe Temperaturschwankungen und die Ofenheizung im Schloss wurde der Bernstein zerstört und musste mehrfach restauriert werden.


1941: Wegen des Zweiten Weltkriegs kam die in diesem Jahr geplante Komplett-Renovierung des Bernsteinzimmers nicht zustande. Um die Zerstörung des zerbrechlichen Bernsteins zu verhindern, entschied man sich, das Zimmer nicht wie die anderen Schätze des Katharinenpalastes zu evakuieren, sondern hängte die Wände mit Papierbahnen ab und verhüllte diese mit Baumwolle.


Während der Besetzung durch die deutschen Truppen wurde das Bernsteinzimmer ausgebaut und nach Königsberg gebracht, im dortigen Schloss jedoch nur teilweise ausgestellt. Der Rest blieb aus Platzgründen in Kisten. Zwei Jahre lang war das Zimmer im Königsberger Schloss zu sehen.


1944: Nach der Invasion der Alliierten in der Normandie wies der Direktor der Staatlichen Verwaltung Schlösser und Gärten Berlin seinen Königsberger Statthalter, Direktor Alfred Rohde, an, das Bernsteinzimmer nach Schloss Wilhelmshöhe bei Kassel auszulagern. Die Kisten waren schon verladen, als der Befehl kam, das Zimmer in Königsberg zu belassen - um die Moral der deutschen Truppen nicht zu schwächen.


Vermutlich ließ Rohde 1944 einen kleinen Teil des Bernsteinzimmers in einen tiefen Keller im Südteil des Schlosses bringen. Die Original-Paneelen kamen wahrscheinlich in den Bunker am Botanischen Garten in Königsberg.


In der Nacht vom 26. zum 27. August 1944 wurde das Schloss Königsberg zerbombt. Nun setzte die Legendenbildung um das Bernsteinzimmer ein, basierend auf unterschiedlichsten Zeugenaussagen über angeblich verkohlten Bernstein in den Ruinen des Königsberger Schlosses und versteckte Kisten.


1979: Russische Spezialisten begannen, das Bernsteinzimmer nach alten Zeichnungen und Vorlagen zu rekonstruieren.


1997: Überraschend tauchten in Deutschland Stücke aus dem Original-Bernsteinzimmer auf: Ein Marmor-Mosaik und eine Empire-Kommode. Im April 2000 wurden die kostbaren Stücke an Russland zurückgegeben und stehen nun wieder im Katharinenpalast.


Mai 2003: Eröffnung des neuen, rekonstruierten Bernsteinzimmers im Katharinenpalast von Zarskoje Selo.